Vienna State Opera / Staatsoper Wien

 

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Wien und seine Oper waren fast fünf Jahre seit Kriegsbeginn vor Luftangriffen bewahrt geblieben. Im Winter 1944/45 wurden jedoch die Angriffe immer häufiger, und drei Wochen vor dem Einmarsch der russischen Armee, in den Vormittagsstunden des 12. März 1945, erfüllte sich mit dem Schicksal vieler Gebäude zwischen Stephansplatz und Opernring auch das der Oper. Zuerst waren es einige Sprengbomben, wahrscheinlich fünf, von denen die Oper getroffen wurde und die das Bühnenhaus zerstörten, das Zuschauerhaus jedoch verschonten. Das Werk der Vernichtung vollendeten erst später geworfene Brandbomben. Gegen den im Bühnenhaus wütenden Brand versagte jede Gegenwehr. Das Wasser aus den Leitungen - auch der Hydrantenleitungen - versiegte, weil diese selbst getroffen waren und das Wasser aus den vorsorglich errichteten Löschteichen neben der Oper bald zu Ende war.
Den ganzen Tag, die darauffolgende Nacht und den nächsten Tag wütete der Brand. Übrig blieben nur zum Himmel starrende Mauern und der von den Sprengbomben verschont gebliebene Teil des Zuschauerhauses längs der Ringstraße. Eine Zerstörung dieses Teiles, im wesentlichen bestehend aus dem Vestibül mit dem Hauptstiegenhaus, dem Foyer, der Loggia, dem Festsalon und den Galeriestiegen, durch Rauchgase wurde durch den gewaltigen Luftzug verhindert, der über dem Zuschauerhaus nach Einsturz der eisernen Dachkonstruktion entstand und dem es zu verdanken ist, daß z. B. der unmittelbar neben dem Brandherd befindliche Festsalon erhalten blieb. Erst 1946 konnte man darangehen, diese erhaltenen Reste zu schützen. Riesige Mengen an Schutt (5000 t) und Eisenschrott (1500 t) mußten fortgeschafft, etwa 5000 m² Notdächer errichtet werden. Behelfsmäßige Stahlbetonkonstruktionen sicherten die über 33 m hohen und 80 m langen, freistehenden Hinterbühnenhausmauern. Dann erst konnte die staatliche Bauleitung an die Lösung der schwierigen Frage schreiten, wie der Wiederaufbau zu planen sei.

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