Theophil Hansen

Theophil Freiherr von Hansen, Kopenhagen, Wien, Architekt. In seinen Lehrjahren stark von C. F. Schinkel beeinflusst. Nach mehrjähriger Bautätigkeit in Athen, die er auch nach seiner Übersiedlung nach Wien 1846 fortsetzte, entwickelte er sich zu einem Hauptvertreter der Spätromantik, wobei er ursprünglich einen byzantinisierenden Mischstil bevorzugte (Waffenmuseum im Wr. Arsenal, 1856, Heeresgeschichtliches Museum).

Um 1859 kreierte H. den sog. "Wr. Stil", eine klassisch-strenge Neorenaiss.-Spielart, die er im Folgenden mit monumental-gesamtkunstwerkhaften Zügen ausstattete (Musikverein - Gebäude der Ges. der Musikfreunde in Wien, 1870).

Seine Bauten in der Ringstraßenzone, v. a. das Parlament (1874-83) und die Börse, aber auch die Palais verkörpern mit ihrer disziplinierten Prunkentfaltung den Höhepunkt des strengen Historismus in der Wr. Architektur und prägten nachhaltig das Bewusstsein von der führenden Rolle Ö. in der Baukunst.

H. arbeitete vorzugsweise mit Künstlern zusammen, die sich seinem Formdiktat anpassten und scharte eine bedeutende Schülerzahl um sich; auch Otto Wagner zählte zu seinen Mitarbeitern. Ab 1868 Akad.-Prof. in Wien, betonte er die Einteilung nach Stilen.

Weitere Werke u. a.: Wien: Evang. Kirche am Matzleinsdorfer Friedhof, 1858; Evang. Schule, 1859-62; Heinrichhof, 1860-62 (1945 zerstört); Palais Erzhzg. Wilhelm (Hoch- und Deutschmeisterpalais, heute The OPEC Fund for International Development), 1864-68; Palais Epstein (Stadtschulratsgebäude), 1868-72 (mit O. Wagner); Börse, 1870-77 (mit C. Tietz); Akad. d. bild. Künste, 1871-76. - NÖ.: Schloss Hernstein, ab 1856. - Athen: Zappeion, 1845; Akad. d. Wiss., ab 1856. - Mitarbeit an Denkmälern (z. B. Schubert-Denkmal in Wien, 1872).