Lobmeyr/Zahn

Lobmeyr/Zahn

J. & L. Lobmeyr

Josef Lobmeyr - aus einer Glaserfamilie in Grieskirchen stammend - gründete 1823 in der Wiener Innenstadt die in ihrer 177jährigen Geschichte zu Weltruhm gelangte Firma J. & L. Lobmeyr.

Handelte er anfänglich noch mit Gläsern höchster Qualität im Biedermeier-Stil, so entwickelte er bald eigene Glasservice und Ziergegenstände.

Damit legte er den Grundstein zur bis heute erhaltenen Firmenphilosophie, als Glasverleger eigene Entwürfe und solche bedeutender Künstler in dem so schönen Material Glas umzusetzen.

Um 1835 erfolgen die ersten Lieferungen an den Wiener Kaiserlichen Hof, Gläser, die heute im prachtvollen Rahmen der Hofsilber- und Tafelkammer in der Hofburg in vollem Umfang zu sehen sind.

1855 übernahmen die Söhne Josef junior und Ludwig den Betrieb und erweiterten das Programm reichhaltiger geschliffener und gravierter Service im mittlerweile vergrößerten Verkaufslokal in der Wiener Kärntnerstrasse 13 um eine vielfältige Auswahl von Kristallustern, vorerst für Kerzen.

Josef Lobmeyr war bis zu seinem frühen Tod 1864 mit Exporttätigkeiten (z.B. Naher Osten) sehr erfolgreich, während Ludwig sich der Produktion und der Entwurfstätigkeit widmete. Er entwarf an die 100 Trinkservice und - vor allem für die Weltausstellungsbeteiligungen - prunkvolle Ziergläser, die heute in unzähligen bedeutenden Kunstgewerbemuseen in aller Welt zu bewundern sind. Im Jahre 1856 entstand das erste Musselinglas-Service, das sich heute noch des gleichen Kundeninteresses erfreut wie damals.

Bedeutende Künstler, die am Ausbau der Wiener Ringstrasse mitwirkten, konnte Ludwig Lobmeyr für großartige Entwürfe gewinnen: Josef Storck, August Eisenmenger, Friedrich Schmidt und Theophil Hansen, um nur einige zu nennen.

1882 entstand der erste elektrifizierte Kristalluster unter Verwendung der Glühlampen von Edison, erste bedeutende Aufträge folgten für die festliche Beleuchtung der Hofburg-Redoutensäle und des Hotel Sacher.

Seit der Präsentation bei der Londoner Weltausstellung 1862 wurden an allen folgenden erste Preise für die aufwendig gestalteten Glas- und Lichtobjekte gewonnen.

Dem Neffen der Brüder Lobmeyr, Stefan Rath, gelang es ab 1902, die neuen Strömungen der Wiener Jugendstilkünstler in Glas umzusetzen. Besonders fruchtbar war die Zusammenarbeit mit dem Architekten und Lehrer Josef Hoffmann, der eine Vielfalt an geschliffenen und bronzitdekorierten Gläsern entwarf.

Die Krönung dieser ungewöhnlichen Produktion wurde bei der Kölner Werkbundausstellung 1914 sichtbar gemacht, ein weiterer Höhepunkt der Zusammenarbeit mit bedeutenden Künstlern wie Oswald Haerdtl, Vally Wieselthier, L. H. Jungnickel und Lotte Fink gelang bei der Weltkunstgewerbeausstellung in Paris 1925.

Stefan Rath´s Engagement in seiner Schaffensperiode - noch dazu in wirtschaftlich schwierigen Zeiten - wurde international höchste Anerkennung zuteil.

Hans Harald Rath übernahm 1938 das erfolgreiche und traditionsreiche Unternehmen und war - auch im 2. Weltkrieg - mit bedeutenden Lusterlieferungen erfolgreich.

Nach dem Verlust der böhmischen Glasproduktion wirkte er 1946/47 an der Errichtung der österreichischen Glasindustrie in Salzburg und Tirol tatkräftig mit.

Ab dem Beginn der 50er Jahre entwickelte sich Lobmeyr zur ersten Adresse für moderne, festliche Kristallbeleuchtung. Hans Harald Rath´s bahnbrechende Beleuchtungskörper sind unter anderem in der Wiener Staatsoper, dem Neuen Theater in Luxemburg und der Metropolitan Opera in New York zu bewundern.

Die Leuchten in der neuen, 1966 eröffneten Metropolitan Opera in New York wurden von der Firma J. & L. Lobmeyr, Wien, entworfen und hergestellt. Es entstanden Kristall-Leuchten in einer unkonventionellen, effektreichen Bauweise in hunderten von Kunstwerken. Für ihre Form war das Thema: "Exploding Stars" gestellt worden. Das umfangreiche Objekt wurde hernach den USA vom österreichischen Volke als ein Symbol des Dankes übergeben. Beschreibung und Abbildungen finden sich in dem Artikel von Ingrid Müller, Leuchten in der Metropolitan Opera, New York, Lichttechnik 1/1967, Berlin

Die Firma Backhausen in Wien hat zur selben Zeit ihre Schauräume mit diesen Leuchten ausgestattet.

2 Leuchten in verschiedenen Größen aus dem Besitz der Firma Backhausen befinden sich heute in der Sammlung Karolinsky und stehen dort zum Verkauf.

Nach dem viel zu frühen Tod des Vaters übernehmen die Söhne Harald, Peter und Stefan die Geschicke des Luxusbetriebes.

Lustermanufaktur Zahn & Co

Die Wiege des heutigen Unternehmens stand in Kreibitz (Böhmen) wo Josef Ignaz Zahn (1780-1838) im Jahre 1780 unter dem Namen Jos. Zahn & Co eine Lustererzeugungs- und Glashandelsgesellschaft gründete.

Mit der Gründung der Firma fällt auch die Errichtung einer Filiale in der Haupt- und Residenzstadt Wien zusammen.

Die dortige Filiale etablierte sich am Fleischmarkt, welcher damals das Tor zum Vorderen Orient war. Nach wenigen Jahren erfolgten stattliche Transporte nach Konstantinopel, Smyrna, Baghdad und Kairo.

Um 1810 wurde das Auslandsgeschäft derart ausgedehnt, daß in Frankfurt / Rhein eine neue Niederlassung gegründet wurde. 1838 übernahm der Sohn des Gründers, Franz Josef Ferdinand Zahn, von Wien´s Zentrale aus den gesamten Geschäftsverkehr mit dem Ausland.

Alsbald wurde die Firma Lieferant der hohen Geistlichkeit, dem Kaiserhaus, dem Hochadel und dem Großbürgertum, was Beweis war, daß die Erzeugnisse dem kultivierten Geschmack dieser Kreise entsprach.

1856 konnte sein Sohn, Karl Josef Zahn, das Geschäft in bedeutend erweitertem Umfange übernehmen. Er dehnte seine Geschäftstätigkeit besonders auf die prunkvollen Kirchenluster aus und gründete während seiner 30-jährigen Tätigkeit 3 Glasfabriken in Böhmen und Ungarn.

1886 wurde Karl Zahn, der jüngste Sohn des Karl Josef Zahn, Inhaber des Unternehmens. In seine Zeit fällt die größte Umwälzung des Beleuchtungswesens überhaupt, und zwar durch die Verwendung der Elektrizität als Lichtquelle.

Karl Zahn erzeugte die bisher mit Wachskerzen ausgestatteten Kristalluster mit elektrischen Kerzen, wodurch die Kristallbehänge sowie die Luster im verstärkten Lichteffekt besonders zur Geltung kamen.

Die Jahrhundertwende stand im Zeichen der Secession, die aber keinen Einfluß auf die Erzeugnisse der Zahn?schen Stilluster ausgeübt hat. Karl Zahn baute den Export nach Amerika, Skandinavien, Deutschland und Italien besonders aus. Seit dem frühen Tode von Karl Zahn im Jahre 1912 führte dessen Witwe Gisela Zahn als Alleininhaberin die Firma im Geiste Ihres verstorbenen Gatten bis zu Ihrem Tode mit großer Tatkraft und Umsicht weiter. Ihre Kenntnisse haben es ermöglicht, daß sie das Unternehmen über die schwere Zeit des ersten Weltkriegs und die Nachkriegszeit erfolgreich hinweggebracht hat.

Seit dem Jahre 1910 hatte sie die Unterstützung durch die Mitarbeit ihrer Schwester Leonie Tschinkel, einer Ururenkelin des Gründers. Nach dem Tode von Gisela Zahn übernahm Frau Tschinkel die Firma und gründetet 1948 in Braunau einen Zweigbetrieb, wo Lusterbehang und geschliffene Glasteile selbst hergestellt wurden um den Verlust der Böhmischen Glashütten auszugleichen und die Selbständigkeit des Unternehmens zu erhalten.

Als letzte Nachkommen des Gründers übernahmen 1965 Gerhard Tschinkel und Ing. Hübner die Leitung des Unternehmens. Durch den plötzlichen Tod von Gerhard Tschinkel war man gezwungen, eine Nachfolge außerhalb der Zahn' schen Familie zu suchen.

Bereits zu Lebzeiten Tschinkels waren Kontakte zu der seit Jahrzehnten befreundeten Firma J. & L. Lobmeyr geknüpft worden. Es ist der Initiative Ing. Hübners zu danken, daß der Betrieb zwar heute nicht mehr in Familienbesitz ist, aber durch die Übernahme der Gesellschafter der mittlerweile auch über 175 Jahre alten Firma Lobmeyr in seiner traditionellen Form und Führungsweise erhalten gebelieben ist.