Josef Hoffmann

1870 - 1956

Lehrjahre 

Josef Hoffmann hat mit seiner Schaffenskraft und vor allem mit seiner Formensprache ästhetisches Empfinden und Verständnis des ganzen Jahrhunderts wesentlich geprägt.

Das kulturelle und wirtschaftliche Leben Wiens der Jahrhundertwende verdankte seine Entwicklung einer großen Zahl von jungen Talenten, die aus Böhmen und Mähren in die Reichshauptstadt gekommen waren. Auch Josef Hoffmann (1870-1956) und Adolf Loos (1870-1933) stammten aus den Kronländern der Österreichisch-Ungarischen Monarchie.

Josef Hoffmann besuchte ab 1887 die Höhere Staatsgewerbeschule in Brünn, wo er - neben Kursen in Mathematik, Physik, Chemie und Geschichte - im Fache Stillehre die Grundsätze der antiken Baukunst, vor allem der griechischen Architektur, wie auch der italienischen Renaissance nahegebracht bekam.

Nach einem Praxisjahr als Baupraktikant in Würzburg begann Hoffmann sein Studium an der Akademie der bildenden Künste in Wien im Oktober 1892 bei Carl Freiherr von Hasenauer, der damals dank seiner Ringstraßenbauten auf der Höhe seines Ruhmes war. Kurz darauf übernahm Otto Wagner (1841-1918) die Leitung der Klasse des verstorbenen Hasenauer und sein Lieblingsschüler Hoffmann betonte stets, wieviel er Otto Wagner als Lehrer zu danken habe und daß seine große Bewunderung für ihn nie nachließ.

Will man die komplexe Abfolge der künstlerischen Bewegungen in den Jahrzehnten vor der Jahrhundertwende in einen Rahmen fassen, so wird man von drei grundlegenden Momenten auszugehen haben.

Dies war als erstes der erklärte, sich immer stärker artikulierende Wunsch, die Brücken zu allen Traditionen abzubrechen, sich als absolut modern zu präsentieren.

Zweitens das Bestreben, europäisch zu sein, das hieß, es entstand großes Interesse an internationalen kulturellen Strömungen und drittens die Bildung von organisierten Künstlergruppierungen, die häufig in lebhaftestem Gegensatz zueinander standen, so, als handle es sich um politische Parteien.

Secession

Nach Hoffmanns Mitgliedschaft im Künstlerhaus, aus dem er mit mehreren Gleichgesinnten, darunter Gustav Klimt und Kolo Moser, demonstrativ ausgetreten war, erfolgte 1897 die Gründung einer Vereinigung bildender Künstler, der SECESSION. Das Stammhaus der neuen Vereinigung, erbaut von Josef Maria Olbrich, und einzig und alleine für Ausstellungszwecke konzipiert, bot dem jungen Hoffmann als Gestalter von Ausstellungen ideale Gelegenheit, sich einem kunstsinnigen, fortschrittlich eingestellten und finanziell gut situierten Kreis von potentiellen Auftraggebern vorzustellen.

Betrachtet man die Werke Hoffmanns aus dieser Zeit, so erkennt man deutlich den Einfluß der Wagnerschule, die mit ihrer Betonung der Fläche, die Struktur eines Werkes bestimmte. Ebenso sind Einflüsse des belgischen Art Nouveau für die Secessionisten, also auch für Hoffmann bedeutend gewesen.

Bereits 1899 war der Ruf Hoffmanns so gefestigt, daß er als Professor an die Wiener Kunstgewerbeschule berufen wurde.

Anfang des Jahres 1900 beginnt sich ein grundsätzlicher Stilwandel bemerkbar zu machen. Mit einer Abkehr von den Kurvenschwüngen der Secession und des Art Nouveau und mit einer Wiederbelebung klassizistischer Ideale fand eine Hinwendung zu einfacheren Formen statt. Bedeutend waren in dieser Periode zweifellos die Kontakte zu englischen und schottischen Zeitgenossen wie Charles Rennie Mackintosh, C.R. Ashbee, zur Guild of Handicraft im Essex-House und zur Scottish School of Glasgow.

Beginnend mit der 14. Ausstellung der Secession (1902) jedoch, machte sich die fast radikale Eigenständigkeit der Wiener bemerkbar.

 

Das Supraportenrelief 1902

Das Supraportenrelief aus dem gleichen Jahr, ein Gipsschnitt von Josef Hoffmann beim Abgang zum rechten Seitensaal der Secession, markiert die Abspaltung zur Eigenständigkeit der Wiener Künstler besonders eindrucksvoll.Wenn man bedenkt, daß der Begriff "Kubismus" erst etwa 1907 als von Picasso entwickeltes Darstellungsverfahren in die Kunstgeschichte Eingang gefunden hat, kann man die Bedeutung von Josef Hoffmanns 1902 gesetzten Schritt in die Abstraktion ermessen.

Josef Hoffmanns eigene Erklärung für seine Verwendung von Kreisen und Quadraten war, dass diese Formen vorher niemals in der darstellenden und angewandten Kunst Verwendung fanden.

von Hoffmann 1902 für die 14. Secessionsausstellung geschaffen, nahm formale Lösungen vorweg, die erst mehr als ein Jahrzehnt später im Neo-Plastizismus und Konstruktivismus Gemeingut wurden.

 

Hohe Warte

In dieser sehr wichtigen Entwicklungsphase wurde Hoffmann beauftragt, eine Villenkolonie auf der Hohen Warte in Wien zu errichten. Den Bauherren jener Villen von der Secession her in Freundschaft verbunden, bot sich ihm hier die Gelegenheit, Häuser zu realisieren, die gemeinsamen Idealvorstellungen entsprachen; es galt, eine Einheit von Haus und Einrichtung zu erreichen oder, mit Hoffmanns eigenen Worten,".. ein Haus, dessen Äußeres auch schon sein Inneres verraten müsse".

Hoffmann legte in den Jahren 1901/1902 eine Etappe seiner schöpferischen Entwicklung zurück, die ihn zu größter Einfachheit und Einheit der Werke führte. Rückblickend erklärte er seine damalige Einstellung dahingehend, daß er besonders "am Quadrat an sich und an der Verwendung von Schwarz und Weiß" interessiert gewesen sei," weil diese klaren Elemente niemals in früheren Stilen erschienen sind".

 

Wiener Werkstaette

Überall entstanden nun Werkstätten, die sich zur Aufgabe machten, mit den ewigen Stilnachahmungen des Historismus Schluß zu machen und zu versuchen ihrer Zeit entsprechend neue Formen zu finden. Mit dem Vermögen des jungen Industriellen und Kunstfreundes Fritz Wärndorfer und dem Enthusiasmus Josef Hoffmanns und Kolo Mosers wurde im Mai 1903 die Wiener Werkstaette gegründet. Eine Produktivgenossenschaft von Kunsthandwerkern, die auf das Leben Hoffmanns wie auch auf das Wiener Kunstleben eine tiefgreifende Wirkung haben sollte.

Zielsetzungen des Unternehmens waren: Eine Fülle von Gegenständen neu zu entwerfen, die für den täglichen Gebrauch oder auch nur zur Schmückung bestimmt waren. Nur Gegenstände aus der Hand zu geben, die eine ausgesprochene Marke von Individualität, Schönheit und exaktester Ausführung tragen. Die Devise lautete: Lieber zehn Tage an einen Gegenstand arbeiten als zehn Gegenstände an einem Tage herstellen.

Bugholz

Anläßlich der Pariser Weltausstellung 1900 beschloß J&J Kohn, den Wiener Architekten und Schüler Josef Hoffmanns, Gustav Siegel, in ihr Entwurfbüro aufzunehmen. Mit Siegels Ausstellungsraum gewann die J&J Kohn den Grand Prix der Pariser Weltausstellung. Dieser Erfolg veranlaßte auch die Gebrüder Thonet, vermehrt mit Architekten zu arbeiten. Zu den bekanntesten Designern der Firmen Kohn und Thonet zählen: Josef Hoffmann, Otto Wagner, Adolf Loos, Koloman Moser, Gustav Siegel und Otto Prutscher.

Sanatorium Purkersdorf

Beim Sanatorium Purkersdorf (1904) bediente sich Hoffmann des modernsten bautechnologischen Hilfsmittels, das zur Verfügung stand, indem er das Gebäude in Stahlbeton plante. Entwurfszeichnungen beweisen, daß er gewillt war, die Möglichkeiten dieser neuen Bauweise radikaler auszunützen, als es kann in der tatsächlichen Ausführung möglich war, hätte doch das Erdgeschoß ein weitgehend durchlaufendes Fensterband erhalten sollen.

Die Jahre 1902-1904 waren im Schaffen Hoffmanns jene Periode, in der er den Höhepunkt der Einfachheit und geometrischen Abstraktion erreichte und die Tendenz zeigte, sich puristisch auf Elementarformen zu beschränken. Dieser Purismus deckte sich begreiflicherweise nicht immer mit den Intentionen der Auftraggeber, denen häufig daran lag, auch in Neuschöpfungen etwas vom vertrauten dekorativen Überschwang des Historismus wiederzufinden also jenen sichtbaren Reichtum in der Ausstattung, der nun einmal ihrem Lebensstil entsprach.

In den Werken Josef Hoffmanns ist nach 1904 die Suche nach einfachen Formen noch zu erkennen aber die Auswahl des Materials und der Verarbeitungstechnik ist schon wesentlich prunkvoller ausgeführt sind als noch in den Jahren davor.

Palais Stoclet

Das Palais Stoclet in Brüssel kann als der Höhepunkt des Schaffens von Josef Hoffmann gesehen werden. Bei einem Wienbesuch waren die Auftraggeber äußerst beeindruckt von den Villen Hoffmanns auf der Hohen Warte. So kam es zu dem Entschluß, ein eigenes Palais von Josef Hoffmann erbauen zu lassen. Nicht nur Materialien und Verarbeitungstechnik waren aufwendiger geworden, es ist ab 1905 ein neuerlicher Richtungswechsel in der gestalterischen Tätigkeit Hoffmans zu erkennen, die man als Hinwendung zum Klassizismus bezeichnen kann.

Allerdings ist zu bemerken, daß das klassische Formenrepertoire durch puristische Abstraktion reduziert wurde. Beim Palais Stoclet war das Verhältnis zwischen Auftraggeber und Architekt das denkbar glücklichste. Dies ist in der Qualität erkennbar, wobei in der Gestaltung offenbar keinerlei Kompromisse eingegangen wurden sowohl bei Außengestaltung als auch bei der Inneneinrichtung.

Gleichzeitig, um 1907, entstand in Wien das Künstlerkabarett Fledermaus, an dessen Gestaltung Hoffmann, Kokoschka, Gustav Klimt, Wimmer-Wisgrill, Czeschka und viele mehr beteiligt waren. Josef Hoffmans Bauten, die kurz vor dem Ersten Weltkrieg entstanden wie etwa die Villa Skywa-Primavesi, 1913-15, zeigen einen sehr eigenwilligen Klassizismus und entsprachen so dem Repräsentationsbedürfnis einer gutsituierten, großteils jüdischen Gesellschaftsschicht. Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges beendete jegliche private Bautätigkeit für längere Zeit.

Josef Hoffmann mußte ab 1919 für einige Zeit die Leitung seines Ateliers aus Krankheitsgründen abgeben und obwohl in den 20er und 30er Jahren eine gewisse Polemik gegen ihn zu bemerken ist, beschäftigte er sich bis zu seinem Tode mit der Kreation neuer Formen. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm Hoffmann verantwortungsvolle offizielle Aufgaben wie die Mitgliedschaft im Kunstsenat und die Tätigkeit als österreichischer Generalkommissar der Biennale in Venedig. Im Jahre 1956 stirbt Josef Hoffmann. Sein Lebenswerk umfaßte alle Bereiche der künstlerischen Gestaltung. Als Initiator der Wiener Secession setzte er Maßstäbe für die künstlerische Entwicklung im 20. Jahrhundert. Als Begründer der Wiener Werkstätte revolutionierte er das Kunsthandwerk.

Die Entwürfe von Leuchten respektive Lampen des Josef Hoffmann werden von WOKA LAMPS VIENNA als Lizenznehmer der Josef Hoffmann Stiftung in Wien in Handarbeit hergestellt.